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Selbständig – selbst & ständig halt

Beim abendlichen Essen beim Griechen kam auch diesmal das Gespräch auf das allseits beliebte Thema Selbständigkeit. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sich in meinem Umfeld viele von eben diesen befinden. Jeder Selbständige weiß: Die Arbeit macht sich nicht von selbst. Dabei kämpft man allerdings nicht selten mit einer Menge von Vorurteilen, bei denen man sich natürlich schon fragt, wie die Leute auf soetwas kommen.

Meine persönlichen Highlights in Punkto Vorurteilen habe ich hier zusammengestellt:

  1. „Selbständige haben es doch gut. Da kann man sich seine Arbeitszeit selbst einteilen.“
    Stimmt! Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen. Das beschränkt sich aber meistens nur darauf, ob ich Auftrag A am Vormittag und Auftrag B am Nachmittag in Angriff nehme oder eben umgekehrt. Nur selten kann ich mir meine Freiräume selbst schaffen. Zu oft stehen Telefonate, Kundentermine und Deadlines im Weg. In den meisten Fällen kann ich mir so keine Freizeit teilen, sondern muss vielmehr „zufällig“ entstandene Freiräume nutzen.
  2. „Als Selbständiger kann man sich seine Arbeit aussuchen.“
    Stimmt! Bis zu einem gewissen Punkt kann ich mir aussuchen, welche Projekte ich betreuen möchte. So ist für mich klar: Die nächste Hausmauer, werde ich sicherlich nicht bauen.  Das wäre auch quatsch – bin ich doch Webdesignerin.
    Klar, kann auch ich mir von Zeit zu Zeit den Luxus leisten und einen Auftrag ablehnen. Ja, manche Aufträge MUSS ich sogar aus wirtschaftlicher Sicht ablehnen. Und doch: Meine Arbeit muss Gewinn erwirtschaften. Mit meiner Tätigkeit muss ich meinen Lebensunterhalt finanzieren. Da klappt es eben nicht, dass ich mich nur jenen Aufträgen auseinandersetzen kann, die mir gefallen. Nein, vielmehr sind es jene Aufträge, die aus finanzieller Sicht am meisten versprechen.
  3. „Als Selbständiger kann man mehr Urlaub machen als ein Angestellter“ 
    Stimmt – zumindest in der Theorie. Es ist nicht abzustreiten, dass man als Selbständiger nicht an vorgegebene Urlaubstage gebunden bin. Außerdem muss ich keinen Urlaub einreichen. Im Prinzip könnte ich, wann immer es mir danach ist, einfach mal für 3 Wochen ab in Urlaub starten.Was sich in der Theorie so toll anhört, ist in der Praxis natürlich absolut nicht machbar. Warum? Drei Wochen keine Arbeit bedeutet drei Wochen lang kein Geld. Ich könnte für diese Zeit weder an Projekten arbeiten, noch mit Kunden kommunizieren oder Aufträge annehmen. Das geht so natürlich nicht!Was bleibt mir also übrig? Maximal eine Woche Urlaub am Stück. Und selbst dort begleitet mich mein Notebook. Mal eben schnell Mails beantworten, in einer ruhigen Minute mal am einen oder anderen Projekt weiterarbeiten – das ist normal im Urlaub.
  4. Als Selbständiger hat man keinen Vorgesetzten, der die Aufgaben aufdiktiert
    Stimmt! Dieses Argument kann ich tatsächlich nicht bestreiten. Es gibt keinen Chef, der mir jeden Morgen meine Aufgaben vorlegt, die ich dann hinterher abarbeite. Es gibt niemanden, der mir während meiner Arbeit über die Schulter schaut.
    Doch genau das ist, es was die Selbständigkeit für manch einen recht schwierig macht. Durch fehlende Kontrolle ist natürlich ein hohes Maß an Selbstdisziplin gefragt. Am Ende steht immer der erfolgreiche Abschluss eines Projektes. In welcher Zeit und mit wie vielen zusätzlichen Nachtschichten man dies schafft, hängt davon ab, wie schnell mal sich ablenken lässt und wie gut man wichtigem von unwichtigem trennen kann. Es ist also nicht immer von Vorteil keinen Vorgesetzten zu haben.

Nein – ich möchte nicht rumjammern. Nein – ich möchte nicht darauf herumreiten, dass manch Selbständiger die Woche mit mehr Arbeitsstunden abschließt, als die meisten Angestellten.
Das Selbständigsein hat unbestritten seine Vorteile und doch ist es nicht immer so leicht, wie man Angestellter sich das ganze vorstellt. Ich habe durch meinen Job sogar den direkten Vergleich. Ab und zu schaue ich schon ein wenig neidisch auf diejenigen, die nach dem Feierabend wirklich abschalten können.

Und doch: Ich mag die Selbständigkeit. Ich mag es meine Arbeit selbst koordinieren zu können. Ich mag es etwas selbst geschafft zu haben. Ich mag es selbst für mich Werbung machen zu können.
Ich würde die Selbständigkeit für nichts in der Welt aufgeben, aber ich wünsche mir, dass ich in Zukunft nicht mehr ganz so oft mit aus der Luft gegriffenen Vorurteilen konfrontiert werde – wahrscheinlich ein Wunschtraum.

Wie sieht es bei euch aus? Wer ist Selbständig? Wer ist es gern? Wer wünscht sich ein ’normales‘ Angestellten-Dasein? Ich freue mich auf eure Kommentare zum Thema.

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